Die Märkte im asiatisch-pazifischen Raum zeigten sich am Dienstag in einem volatilen Handel uneinheitlich. Die wichtigsten Indizes drehten im Vormittagshandel ins Minus, während Anleger die jüngsten Entwicklungen im Iran-Konflikt bewerteten. Im Mittelpunkt steht ein Ultimatum von US-Präsident Donald Trump, das die Finanzmärkte weltweit in Atem hält.
Trump drohte dem Iran mit Angriffen auf die zivile Infrastruktur, sollte innerhalb von weniger als 24 Stunden kein Friedensabkommen erzielt werden. Gleichzeitig signalisierte er, dass die iranische Führung ernsthaft verhandle. Trump bekräftigte seine Forderung, die Straße von Hormus bis Dienstag, 20:00 Uhr, zu öffnen – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für die weltweite Energieversorgung. Er warnte, dass die USA im Falle des Verstreichens dieser Frist innerhalb von vier Stunden jede Brücke und jedes Kraftwerk zerstören würden.
Iranischer Gegenvorschlag und stockende Verhandlungen
Die USA und der Iran prüfen derzeit einen Rahmenplan zur Beendigung ihres fünf Wochen alten Konflikts. Teheran wehrt sich gegen Trumps Druck, die Straße von Hormus im Rahmen eines vorübergehenden Waffenstillstands rasch wieder zu öffnen, und besteht auf einem dauerhaften Ende des Krieges. Laut dem US-Nachrichtenportal Axios hat der Iran den amerikanischen Waffenstillstandsvorschlag abgelehnt und stattdessen eigene zehn Punkte vorgelegt.
Der iranische Gegenvorschlag umfasst unter anderem folgende Forderungen:
– Ein Ende der Feindseligkeiten in der gesamten Region
– Ein Protokoll für die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus
– Die Aufhebung von Sanktionen gegen den Iran
– Zusagen für den Wiederaufbau des Landes
Trump kommentierte den iranischen Vorschlag mit den Worten: „Sie haben einen bedeutenden Vorschlag gemacht. Nicht gut genug, aber sie haben einen sehr bedeutenden Schritt getan. Wir werden sehen, was passiert.“
Ölpreise springen deutlich an
Die geopolitische Unsicherheit trieb die Rohstoffpreise spürbar nach oben. Die Terminkontrakte für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) weiteten ihre Gewinne auf 3,4 Prozent auf 116,20 US-Dollar pro Barrel aus. Brent-Öl, der internationale Referenzpreis, legte um rund 1,7 Prozent auf 111,59 US-Dollar pro Barrel zu. Die Straße von Hormus ist für die globale Energieversorgung von zentraler Bedeutung, da ein erheblicher Teil der weltweiten Ölexporte durch diese Meerenge transportiert wird.
Die asiatischen Leitindizes reagierten unterschiedlich auf das volatile Umfeld. Der australische S&P/ASX 200 legte als positiver Ausreißer um 1,4 Prozent zu. Japans Nikkei 225 gab hingegen um 0,17 Prozent nach und machte damit moderate Gewinne aus dem frühen Handel wieder zunichte. Der breit gefasste Topix blieb unverändert. Der südkoreanische Kospi notierte ebenfalls kaum verändert, während der Small-Cap-Index Kosdaq seine Verluste auf 1,5 Prozent ausweitete. Der chinesische CSI 300 sank um 0,29 Prozent. Die Märkte in Hongkong blieben wegen der Osterfeiertage geschlossen. Indiens Nifty 50 und der Sensex gaben im frühen Handel jeweils um 0,5 Prozent nach.
Chancen für langfristig orientierte Anleger
Trotz der Unsicherheit sehen manche Marktbeobachter in der aktuellen Lage auch Möglichkeiten. Die von Schlagzeilen getriebenen starken Schwankungen hätten Chancen für Anleger geschaffen, ihre Portfolios für längerfristige Renditen umzuschichten, so Marktexperte Jacobsen. „Wenn geopolitische Sorgen den Markt treffen, bewegen sich die Preise tendenziell wahllos. Das ist der Moment, in dem ein differenzierend agierender Anleger sein Portfolio aufwerten kann“, erklärte er.
Jacobsen verwies auf „günstige Einstiegspunkte“ bei Unternehmen aus verschiedenen Branchen, darunter Versorger, Finanzwerte, Industrie und Technologie. Verteidigungs- und Energieunternehmen nannte er als Profiteure „erster Ordnung“ infolge des Konflikts.
An der Wall Street zeigten sich die Futures über Nacht weitgehend stabil. Die Futures auf den S&P 500 blieben kaum verändert, während die Futures auf den Nasdaq 100 um rund 0,2 Prozent nachgaben. Die Futures auf den Dow Jones Industrial Average stiegen um 48 Punkte oder 0,1 Prozent. Im regulären Handel am Montag hatte der S&P 500 um 0,44 Prozent zugelegt, der Nasdaq Composite um 0,54 Prozent und der Dow Jones um 165,21 Punkte beziehungsweise 0,36 Prozent.


