BlackRock Inc. hat seine Einschätzung für Schwellenländer-Aktien für die nächsten sechs bis zwölf Monate von „Overweight“ auf „Neutral“ herabgestuft. Als Begründung nennt das BlackRock Investment Institute in seinem globalen Investmentausblick zur Jahresmitte 2026 Konzentrationsrisiken bei Unternehmen mit Bezug zur Künstlichen Intelligenz (KI). Der weltweit größte Vermögensverwalter verwaltet damit eine der bedeutendsten Neubewertungen im globalen Anlageuniversum.
Konkret verweist BlackRock auf Risiken in Märkten wie Taiwan und Südkorea, die eine starke Gewichtung von KI-bezogenen Unternehmen aufweisen. Die Herabstufung kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Schwellenländer-Aktien verzeichneten in der vergangenen Woche ihren stärksten Wochenverlust seit Anfang März. Belastet wurde die Anlageklasse durch einen Ausverkauf bei Technologiewerten sowie die Erwartung einer restriktiveren US-Notenbank (Fed). Auch der MSCI Emerging Markets Index steuert auf seinen schlechtesten Monat seit März zu.
Konzentrationsrisiko trotz geografischer Streuung
Das Institut bringt das Kernproblem auf den Punkt: „Geografische Diversifizierung verringert das Konzentrationsrisiko nicht, wenn mehrere Märkte an dieselbe Wertschöpfungskette gebunden sind.“ Mit anderen Worten: Wer in verschiedene Schwellenländer investiert, aber überall auf KI-Zulieferer setzt, diversifiziert nur scheinbar. „Solche Konzentrationsrisiken veranlassen uns dazu, Schwellenländer-Aktien auf breiter Front herabzustufen“, heißt es in dem Bericht weiter.
Während BlackRock bei Schwellenländern vorsichtiger wird, hält das Unternehmen an seiner positiven Haltung gegenüber US-Aktien fest. Technologieunternehmen machen dort einen großen Teil des Marktes aus. „Wir streben ein breites KI-Engagement über US-Technologiewerte an, was uns dazu veranlasst, US-Aktien mit ‚Overweight‘ einzustufen“, so der Bericht. „Auch wenn die endgültigen Gewinner noch unklar sind, dürften viele von ihnen dort zu finden sein.“
Euro-Anleihen erhalten Aufwertung
Im Anleihebereich nimmt BlackRock eine bemerkenswerte Neubewertung vor: Kurz- und mittelfristige Staatsanleihen der Eurozone werden von „Neutral“ auf „Overweight“ hochgestuft. Das Unternehmen begründet dies damit, dass Anleger überschätzen würden, wie lange die Geldpolitik restriktiv bleiben wird. Für deutsche und europäische Privatanleger ist dies ein relevantes Signal, da es auf sinkende Zinsen in der Eurozone hindeutet.
Bei langfristigen US-Staatsanleihen bleibt BlackRock hingegen bei seiner „Underweight“-Position. Die anhaltende Inflation, die teilweise durch Ausgaben für die KI-Infrastruktur getrieben wird, hat die Attraktivität dieser Anleihen als „sicherer Hafen“ verringert. Das Unternehmen bevorzugt stattdessen höher bewertete US-amerikanische und europäische Hochzinsanleihen – sogenannte Junk Bonds – gegenüber Investment-Grade-Papieren.
Innerhalb der erstklassigen Anleihen setzt BlackRock auf kurzfristige Unternehmensanleihen. Der Grund: geringeres Zinsrisiko im Vergleich zu langfristigen Papieren. Jean Boivin, Leiter des BlackRock Investment Institute, ergänzt, dass KI-bedingte Umbrüche mehr Möglichkeiten für selektives Investieren innerhalb der Kreditmärkte schaffen könnten. Für Anleger bedeutet das: Nicht die breite Streuung, sondern die gezielte Auswahl wird in diesem Umfeld zum entscheidenden Erfolgsfaktor.


