Die chinesische Regierung hat weitreichende Konjunkturmaßnahmen für das kommende Jahr angekündigt. Auf der jährlichen Zentralen Wirtschaftsarbeitskonferenz, die vom 10. bis 11. Dezember in Peking stattfand, versprach die Führung eine „proaktive“ Fiskalpolitik zur Ankurbelung von Konsum und Investitionen. Analysten erwarten, dass China dabei an seinem Wachstumsziel von etwa 5 Prozent festhalten wird.
Historisches Eingeständnis wirtschaftlicher Schwächen
Bemerkenswert ist das offene Eingeständnis struktureller Probleme. „Der Widerspruch zwischen starkem inländischem Angebot und schwacher Nachfrage ist dominant“, heißt es in der offiziellen Mitteilung der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Diese ungewöhnlich direkte Formulierung verdeutlicht das Ausmaß der wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen China konfrontiert ist.
Die Verlangsamung war in der zweiten Jahreshälfte 2024 in nahezu allen Wirtschaftsbereichen spürbar, die nicht zum chinesischen Handelsüberschuss im Billionen-Dollar-Bereich beitragen. Das Haushaltsdefizit soll voraussichtlich bei den diesjährigen Rekordwerten von 4 Prozent des BIP bleiben.
Doppelstrategie: Konsum und Investitionen
Die Regierung kündigte „tiefgreifende Sondermaßnahmen zur Ankurbelung des Konsums“ und „Pläne zur Erhöhung des Einkommens städtischer und ländlicher Bewohner“ an. Ziel ist es, „das Potenzial des Dienstleistungskonsums freizusetzen“. Gleichzeitig sollen die Investitionen nach einem Einbruch in der zweiten Jahreshälfte wiederbelebt werden.
Diese Doppelstrategie weckt jedoch Bedenken bei Ökonomen. „Immer wieder versuchen sie, den Konsum zu betonen. Das haben wir aber schon früher gesehen“, erklärt Max Zenglein, Senior Economist bei The Conference Board. Die Produktions- und Nachfrageziele blieben „ein fortwährender Widerspruch“.
Strukturelle Risiken für langfristiges Wachstum
Experten warnen, dass das jahrzehntealte Ungleichgewicht in der chinesischen Wirtschaft das langfristige Wachstum bedroht. Um ein hohes kurzfristiges Wachstumstempo aufrechtzuerhalten, zwingt die aktuelle Strategie die Wirtschaft tiefer in die Verschuldung, um Investitionen zu finanzieren, von denen nicht alle produktiv sind.
Christopher Beddor von Gavekal Dragonomics erwartet zwar mehr Unterstützung für den Haushaltskonsum, jedoch nur in „moderaten“ Schritten. Die Befürchtung bleibt, dass Peking noch nicht bereit ist, von einer produktionsgetriebenen Wirtschaft zu einer Wirtschaft überzugehen, die stärker von Haushaltsausgaben getragen wird.
Geldpolitische Lockerungen geplant
Für 2025 sind auch geldpolitische Maßnahmen vorgesehen. Liquiditätsspritzen durch niedrigere Mindestreservesätze für Banken und Zinssenkungen stehen auf dem Programm. Analysten erwarten jedoch nur inkrementelle Schritte von der chinesischen Zentralbank.
Die offiziellen Wirtschaftsziele werden traditionell erst bei der jährlichen Parlamentssitzung im März bekannt gegeben. Die Zentrale Wirtschaftsarbeitskonferenz gilt jedoch als wichtiger Indikator für die politische Agenda der Kommunistischen Partei.


