Der ehemalige ANZ-Chef Shayne Elliott hat am Freitag beim Obersten Gerichtshof von New South Wales Klage gegen die australische Großbank eingereicht. Im Zentrum des Rechtsstreits steht die Kürzung von Bonuszahlungen im Wert von 13,5 Millionen australischen Dollar, die Elliott für das Geschäftsjahr 2025 zustanden. Der Manager, der fast ein Jahrzehnt lang bis Mai 2025 an der Spitze der ANZ stand, sieht darin einen klaren Verstoß gegen die vereinbarten Ausscheidungsbedingungen.
Hintergrund der Bonuskürzung
Die ANZ hatte die Boni von Elliott und weiteren Führungskräften gestrichen, nachdem die Bank einer zivilrechtlichen Strafe in Höhe von 240 Millionen australischen Dollar zugestimmt hatte. Die Strafzahlung an die Aufsichtsbehörden resultiert aus systemischen Versäumnissen, die von „unverantwortlichem“ Handeln bei einem Staatsanleihengeschäft bis zur Belastung von Konten verstorbener Kunden reichten. Insgesamt mussten ehemalige und aktuelle Führungskräfte Gehalts- und Bonuskürzungen im Gesamtwert von etwa 32 Millionen australischen Dollar hinnehmen.
Elliott besteht auf Vertragserfüllung
„Die Bank und ich hatten eine klare, unmissverständliche Vereinbarung über die Bedingungen meines Ausscheidens“, erklärte Elliott in einer Stellungnahme gegenüber Reuters. „Meine Erwartung ist, nachdem ich einen Vertrag abgeschlossen habe, dass diese Bedingungen erfüllt werden.“ Der ehemalige CEO betonte, er habe bereits angeboten, auf seine Boni und Incentive-Zahlungen für 2024 zu verzichten. Nun fordert er eine gerichtliche Feststellung, dass die ANZ den Vertrag verletzt habe.
ANZ verteidigt Entscheidung energisch
Die Bank kündigte an, sich gegen die Klage zur Wehr zu setzen. „Der Vorstand hat die Vergütungsergebnisse sorgfältig und sehr bewusst bewertet“, sagte ANZ-Vorsitzender Paul O’Sullivan in einer Börsenmitteilung. „Wir sind von unserer Position überzeugt und werden diese Angelegenheit energisch verteidigen.“ Der Vorstand begründete den Null-Bonus für Elliott mit der Gesamtleistung des Konzerns und seiner Verantwortung als ehemaliger CEO für verschiedene nicht-finanzielle Risikothemen.
Verbleibende Vergütung trotz Kürzungen
Trotz der massiven Bonuskürzungen behält Elliott nach Angaben einer Stimmrechtsberatungsfirma noch langfristige Incentive-Zahlungen im Wert von etwa 7,9 Millionen australischen Dollar. Elliott kündigte an, die frühestmögliche Anhörung seiner Klage zu beantragen und den Prozess „bis zum Ende zu verfolgen“. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die komplexe Frage der Vorstandsvergütung, insbesondere wenn Banken mit regulatorischen Problemen und Strafzahlungen konfrontiert sind.


