Die Schweizer Privatbank Julius Bär erwägt offenbar die Ablösung ihrer Finanzchefin Evie Kostakis. Das berichteten am Donnerstag zwei mit den internen Diskussionen vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Julius Bär selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, auch Kostakis reagierte zunächst nicht auf eine entsprechende Anfrage.
Kostakis übernahm den Posten der Finanzchefin im Jahr 2022. Sie ist damit das ranghöchste verbliebene Mitglied eines Managementteams, das in den vergangenen zwei Jahren einen tiefgreifenden personellen Wandel erlebt hat. Der Umbau an der Führungsspitze begann, als Julius Bär eine Serie schmerzhafter Verluste und Abschreibungen offenlegte.
Hintergrund: Verluste aus riskanten Kreditgeschäften
Die Krise bei Julius Bär steht im Zusammenhang mit riskanten Kreditgeschäften, die der Bank erhebliche finanzielle Einbußen bescherten. In der Folge leitete das Institut einen umfassenden Umbau seiner Führungsriege ein. Die mögliche Ablösung von Kostakis wäre der vorerst letzte Schritt in diesem Prozess und würde den personellen Neuanfang an der Spitze der Bank abrunden.
Julius Bär ist eine der bekanntesten Schweizer Privatbanken und zählt zu den bedeutenden Vermögensverwaltern Europas. Das Institut betreut wohlhabende Privatkunden weltweit und steht damit in direktem Wettbewerb mit anderen großen Schweizer Häusern wie UBS und Pictet. Für deutsche Privatanleger ist Julius Bär auch als börsennotiertes Unternehmen an der Schweizer Börse SIX relevant.
Führungswechsel als Zeichen des Neuanfangs
Ein Wechsel an der CFO-Position würde signalisieren, dass Julius Bär den Schlussstrich unter eine turbulente Phase ziehen will. In den vergangenen zwei Jahren hat die Bank ihr Führungsteam bereits erheblich umgebaut, nachdem die Verluste aus dem Kreditgeschäft das Vertrauen von Investoren und Kunden belastet hatten. Die Rolle des Finanzchefs ist in einer Privatbank von zentraler Bedeutung, da er oder sie maßgeblich für Risikokontrolle, Bilanzsteuerung und die Kommunikation mit Investoren verantwortlich ist.
Ob und wann ein offizieller Nachfolger für Kostakis präsentiert wird, ist derzeit noch offen. Julius Bär hat sich zu den Insider-Berichten bislang nicht geäußert. Anleger und Marktbeobachter dürften die weiteren Entwicklungen bei der Züricher Privatbank aufmerksam verfolgen.


