EU-Kommission prognostiziert moderates Wachstum für die Eurozone trotz anhaltender Inflationsprobleme
Die EU-Kommission hat ihre Konjunkturprognosen für die Eurozone optimistischer gestimmt als noch im Winter. Demnach wird erwartet, dass sich die Wirtschaft in der EU insgesamt besser entwickeln wird als zunächst angenommen. Die Behörde geht nun von einem Wachstum von 1,0 Prozent für die EU aus, während in der Winterprognose noch von 0,8 Prozent die Rede war. Für die Eurozone wird ein Wachstum von 1,1 Prozent erwartet, im Vergleich zu 0,9 Prozent in der vorherigen Prognose. EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni betonte, dass die europäische Wirtschaft in besserer Verfassung sei als zuvor angenommen, was auf niedrigere Energiepreise, nachlassende Versorgungsengpässe und einen starken Arbeitsmarkt zurückzuführen sei.
Trotz der verbesserten Aussichten für die Eurozone bleibt die deutsche Wirtschaft pessimistisch. Die EU-Kommission erwartet nach wie vor nur ein Wachstum von 0,2 Prozent, während die Bundesregierung eine Zunahme von 0,4 Prozent prognostiziert. Deutschland wird damit neben Estland als eines der Schlusslichter im Bereich des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angesehen. Finnland wird ebenfalls nur ein mageres Wachstum von 0,2 Prozent zugetraut. Für das kommende Jahr rechnet die Kommission mit einem Wachstum von 1,7 Prozent für die EU und 1,6 Prozent für die Eurozone.
Trotz der positiveren Wirtschaftsaussichten wird die hohe Inflation als hartnäckiges Problem angesehen. Die EU-Kommission erwartet für Deutschland eine Teuerungsrate von 6,8 Prozent, während die Inflation in der Eurozone bei 5,8 Prozent prognostiziert wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an, was als ideal für die Konjunktur gilt. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane geht davon aus, dass der Preisauftrieb im Laufe des Jahres im Euroraum nachlassen wird, jedoch bleibt der Kampf gegen die hohe Inflation eine Herausforderung. Im April stieg die Teuerungsrate sogar leicht auf 7,0 Prozent an, nachdem sie im März auf 6,9 Prozent gesunken war.
Darüber hinaus gab es einen deutlichen Rückgang in der Industrieproduktion für die Eurozone im März. Die Gesamtherstellung ging im Vergleich zum Vormonat um 4,1 Prozent zurück. Analysten hatten lediglich einen Rückgang von 2,8 Prozent erwartet. Auch im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es einen Rückgang von 1,4 Prozent, während ein Anstieg von 0,1 Prozent erwartet wurde.


